Kirsche

Der Kirschbaum – Die Vogelkirsche ist die „Mutter aller Kirschbäume“ und wurde bereits in der Mittel- und Jungsteinzeit genutzt. An der Südküste des Schwarzen Meeres entstanden ab dem 4. Jhdt. v. Chr. die ersten Zuchtsorten mit größeren und süßen Früchten. Von dort brachte der römische Feldherr Lucullus veredelte Kirschen nach Rom und im Zuge der römischen Expansion eroberte der Baum rasch weite Teile Europas.

Um den Kirschbaum gibt es viele Bräuche

Viele Bräuche und Orakel ranken sich um ihn. Die Kirsche symbolisiert den Zyklus von Leben und Tod, steht aber auch als Ausdruck für Geburt und Freude. Noch heute schneidet man am 4. Dezember Kirschzweige. Erblühen sie zu Weihnachten, bringt es Glück, wenn nicht, gilt dies als schlechtes Omen. In manchen Gegenden war es Brauch, das erste Badewasser eines neugeborenen Mädchens an einen Kirschbaum zu schütten, damit das Kind schön und gut werde. Legenden zufolge ist der Kirschbaum Wohnstätte von Wald- und Baumgeistern. Es heißt, dass man sie bei Vollmond, wenn die Rinde silbrig schimmert, tanzen sehen kann, es aber bei Strafe von Unheil verboten ist, die Elfen bei ihrem Tun zu beobachten. Die Japaner feiern seit über tausend Jahren mit dem Kirschblütenfest das Frühlingserwachen.

Botanik und Verbreitung der europäischen Kirsche

Die Wildkirsche (Prunus Avium), auch Süß- oder Vogelkirsche genannt, ist ein sommergrüner, laubabwerfender Baum aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Ihr wissenschaftlicher Artname geht auf die Vorliebe der Vögel (lat.: Avium) zurück, die die Früchte gerne verzehren und dabei den Samen verbreiten.

Unter den zahlreichen Arten der Gattung Prunus ist Avium die am häufigsten vorkommende Kirschenart und gleichzeitig das verbreitetste Wildobst. Mit Ausnahme des äußeren Nordens und Nordostens findet man die Vogelkirsche in ganz Europa bis Kleinasien und Kaukasus verbreitet. In Deutschland stellt sie weniger als 1% an der Gesamtwaldfläche von 10,8 Mio. ha. Die Vogelkirsche ist eine Lichtbaumart und bevorzugt warme, sonnige Standorte wie Waldränder oder Feldgehölze. Am besten gedeiht sie auf frischen, nährstoffeichen, gerne tiefgründigen Böden mit mittlerer Wasserversorgung und guter Durchlüftung. Sie wächst einzeln oder auch in kleinen Gruppen, vorwiegend in artenreichen Laubmischwäldern der Täler und Hochebenen mit gemäßigtem Klima bis in Höhen von 1000 Metern über NN.

Merkmale

Bei reichlicher Lichtzufuhr zeigt der Kirschbaum ein sehr schnelles Jugendwachstum und fällt dann ab dem 40.Lebensjahr bei einer maximal erreichten Höhe von 30 Metern ab. Der Stamm ist lang, gerade, vollholzig und geht weit in eine gewölbte, eiförmige Krone über. Seine Rinde ist glatt, graubrau, leicht glänzend und zeigt Ringelborke. Ein kräftiges, weitreichendes, flach angelegtes Herzwurzelsystem mit ausgeprägten Seitenwurzeln reicht bei entsprechenden Böden bis in Tiefen von 70 cm. Prunus Avium wird selten älter als 100 Jahre.

Die Laubblätter sind länglich – oval, ziemlich dünn und schlaff, auf der Oberseite dunkel- , auf der Unterseite hellgrün. Kurz vor der Blattentfaltung im April und Mai erscheinen an den Kurztrieben die zwittrigen, durchscheinend weißen Blüten mit bis zu 20 Staubblättern und einem mittigen Stempel in Dolden. Sie werden von Hummeln oder Bienen bestäubt. Ab Juli reifen die hellroten Steinfrüchte zu etwa 1cm kleinen , schwarzroten Kugeln heran. Wegen ihres mit 10% geringen Zuckergehaltes sind sie für den Menschen kaum essbar.

Eigenschaften

Das Holz der Wildkirsche zeigt äußerlich keine wesentlichen Unterscheide zu dem der kultivierten Süßkirsche. Das Kernholz ist deutlich dunkler als das Splintholz und gelegentlich von leicht grünlicher Tönung. Unter Lichteinfluss dunkelt es gerne nach zu einem attraktiven, rötlichbraunen bis hellgoldfarbenen Farbton. Kirschholz ist mittelschwer, hart und zäh und gehört zu den stärker schwindenden Hölzern. Beim Trocknen muss sorgfältig gearbeitet werden, um Qualitätseinbußen zu vermeiden, aber dann verfügt es über gutes Stehvermögen. Das Holz lässt sich leicht bearbeiten: es ist gut zu sägen, fräsen oder hobeln. Auch Nageln, Schrauben oder Bohren sind kein Problem. Ebenso bereitet weder das Verleimen, Beizen oder Polieren Schwierigkeiten. Allerdings können bei Kontakt mit Eisen in Verbindung mit Feuchtigkeit graubraune Verfärbungen auftreten.

Verwendung

Als Edellaubholz gehört der europäische Kirschbaum zu den schönsten und wertvollsten heimischen Nutzhölzern. Da es in größeren Mengen im Handel nicht erhältlich ist, ist seine Verwendung etwas einschränkt, was es zu einem hochbezahlten dekorativen Ausstattungsholz macht. Schon während des Barock war Kirschbaum ein beliebtes Möbelholz. Heute findet es vor allem als Furnier Anwendung, aber auch bei Vertäfelungen, Leisten, Türen und Parkettböden. Außerdem wird es im gehobenen Fahrzeugbau für Armaturenbretter verwendet oder zur Herstellung von Ziergegenständen, Pfeifenköpfen und auch Musikinstrumenten. Wegen seiner rötlichen Farbe und feinen Textur eignet sich Kirschholz hervorragend zu Mahagoniimitationen. Auch Feuerholz gehört zu seinem Verwendungsbereich, denn es steht in der Brennkraft nicht viel unter Buchenholz.

Problematik

Bei Feuchtigkeit kann es in Verbindung mit Eisen zu dunklen Verfärbungen kommen.

Zusammenfassung

Raumgewicht: 0,54 g/ccm
Druckfestigkeit: 98 N/mm²
Biegefestigkeit: 83 – 110 N
Härte nach Brinell: 28 – 58 N/mm²
Schwindmaß: radial: 0,16%, tangential: 0,6%

Der amerikanische Kirschbaum

Das Holz des amerikanischen Kirschbaums, auch Späte Traubenkirsche oder American Black Cherry genannt, stammt meistens von der Art Prunus Serotina. Obwohl der Baum im gesamten mittleren Teil Nordamerikas wächst, stammt das Handelsholz meistens aus den östlichen Staaten. Mit max. 25 Metern wird der Baum nicht besonders groß. Das Kernholz variiert von einem satten Rot bis zu dunklerem Rotbraun. In Europa wird des manchmal etwas gedämpft, um eine dunklere, einheitliche Farbe zu erzielen. Die schlichte Maserung kann variieren, wobei dunklere breite Streifen die Ware ansprechender machen. Eigenschaften und Verwendungsarten des amerikanischen Kirschbaumes decken sich weitgehend mit der des europäischen Kirschbaum-Holzes.

Verwendung dieser Hinweise

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir das komplexe Thema Holz und Oberflächen mit unseren Hinweisen nur allgemein ansprechen können. Eine Haftung ist ausgeschlossen. Die Verwendung unserer Ratschläge liegt in Ihrer eigenen Verantwortung.

Für detailierte Informationen verweisen wir auf die Hinweise der jeweiligen Hersteller und Fachhandwerker.