Robinie

Die Robinie – An der Robinie scheiden sich die Geister. Für die Einen ist der Baum ein invasiver Neophyt, der konsequent bekämpft werden sollte, wenn er sich unkontrolliert in spezielle Waldökosysteme einschleicht. Für die Anderen bietet die Robinie eine zukunftssichere Alternative für die Baumartenwahl auf Grenzstandorten für Buche und Eichen, da kaum eine andere Laubholzart so viel Holz von hervorragenden Eigenschaften erbringen kann.

Auch beim Schutz vor Bodenerosion in versteppenden Landschaften spielt die Robinie eine große Rolle, weshalb ihr Nachhaltigkeitswert vorurteilsfrei neu bewertet werden sollte. Seinen Namen erhielt der Baum von dem französischen Gärtner Jean Robin, der Anfang des 17. Jahrhunderts die Robinie als Zierbaum aus Nordamerika nach Paris brachte. Der amerikanische Name „black locust“, schwarze Heuschrecke, bezieht sich auf die vertrockneten Hülsenfrüchte, die lange am Baum bleiben und entfernt an ein Insekt erinnern. Im deutschsprachigen Raum wird die Robinie wegen ihrer Ähnlichkeit mit Akazien auch Scheinakazie genannt. In Mythologie und Volksglauben hat die Robinie kaum Bedeutung erlangt.

Botanik und Verbreitung

Die Robinie (Robinia pseudacacia) ist ein sommergrüner Laubbaum aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Ursprünglich aus dem östlichen Nordamerika stammend, wurde die Robinie seit Mitte des 19. Jahrhunderts weit verbreitet angepflanzt. Dank seines ausgeprägten Wurzelsystems, das mehr als 7 m in die Tiefe gehen kann, eignet sich der Baum zur Befestigung von Schutt- und Abraumhalden, von Eisenbahndämmen und Straßenböschungen und darüber hinaus zur Aufforstung von Sandböden und Ödlandflächen. Robinien bevorzugen lockere, gut durchlüftete Böden, die durchaus nährstoffarm sein können, denn der Baum versorgt sich über wurzelbewohnende Rhizobium – Arten selbst mit Stickstoff. Seit dem 2. Weltkrieg gewann die Robinie auch als Waldbaum für die Holzproduktion von Bedeutung, vornehmlich in den südosteuropäischen Ländern. Mit einer Aufforstungsfläche von ca. 320.000 ha sind die ungarischen Vorkommen heute die größten in Europa. Auch China verfügt über 800.000 ha und so steht die Robinie mit nahezu 2 Millionen ha weltweit an dritter Stelle unter den Laubbäumen aus Plantagen nach Eukalyptus und Pappeln.

Merkmale

Robinien können bis zu 200 Jahre alt werden. Die in Europa angebauten erreichen im besten Hiebalter von etwa 40 – 50 Jahren bereits eine Stammhöhe von 20 – 25 m bei Durchmessern von ca. 30 – 40 cm und einer dunkelbraunen und tiefrissigen Rinde. Die Neigung der Robinie zur Krummschäftigkeit bedingt ihre forstliche Geringschätzung . Dem gegenüber steht ihre Raschwüchsigkeit, die Anspruchslosigkeit und auch – gerade bei Straßenbäumen – die große Toleranz gegenüber schwierigen innerstädtischen Bedingungen wie z.B. Streusalz. Vor allem die weißen, duftenden , in dichten Trauben stehenden Schmetterlingsblüten von bis zu 20 cm machen ihre Attraktivität für Parks und Gärten aus. Robinienblüten sind fremdbestäubt und bei Bienenzüchtern sehr geschätzt für die Honigproduktion. Erst spät erscheinen unpaarige, 15 – 20 cm lange Fiederblättchen, deren Nebenblätter oft zu kurzen Blattdornen umgestaltet sind. Auch die Zweige tragen kurze, kräftige Dornen. Im Herbst haben sich die typischen Schotenfrüchte entwickelt, die als leere Hülsen bis zum nächsten Jahr am Baum verbleiben. Sowohl die Samen als auch die Blätter, Früchte und die Rinde der Robinie sind giftig!

Eigenschaften

Das Holz der Robinie ist schwer, hart, zäh, biegsam, elastisch und sehr dauerhaft. Es ist schwer spaltbar, lässt sich schlecht sägen, aber gut drechseln und leimen. Robinienholz ist überdurchschnittlich belastbar mit Schwindmaßen im mittleren bis hohen Bereich, der hohen Rohdichte entsprechend. Einmal getrocknet, besitzt das Holz gutes Stehvermögen; es ist extrem undurchlässig für Flüssigkeiten und Gase. Robinien bilden einen ausgeprägten Farbkern. Frisches Kernholz ist uneinheitlich gelblich-grün, hellbraun oder oliv, es setzt sich deutlich gegen das gelblich-weiße Splintholz ab. Unter Lichteinfluss dunkelt das Holz schnell zu einem einheitlichen gold- bis kupferfarbenen Farbton nach. Das Kernholz besitzt eine hohe natürliche Resistenz gegen Insekten und holzzerstörende Pilze. Ein besonderes, unter den europäischen Handelshölzern einzigartiges Erkennungsmerkmal der Robinie ist die Oberflächenfluoreszenz des Kernholzes, das unter UV-Licht intensiv gelb leuchtet.

Verwendung

Aufgrund seiner überdurchschnittlichen mechanischen Eigenschaften ist Robinienholz ausgesprochen vielseitig einsetzbar. Traditionell wird es für Zaun- und Weidepfosten, Weinbergpfähle, Hopfenstangen, Heureiter und auch Sportgeräte verwendet. Mehr und mehr jedoch gewinnt es an Bedeutung für konstruktive Anwendungen im Außenbereich unter hoher biologischer wie mechanischer Beanspruchung wie z.B. Brücken, Gewässerschutzbauten, Kühltürme etc. Auch Spielplatzanlagen, Rahmenbau für Fenster und Türen, Landschafts-und Gartenbau sind Bereiche, in denen Robinienholz zum Einsatz kommt. Im Innenbereich eignet sich Robinie besonders für Parkett, Treppen, Handläufe, hoch belastete Tische etc. Robinienholz gilt als guter Ersatz für tropische Hölzer wie Afrormosia, Afzelia, Bilinga, Maroke, Teak u.a.

Problematik

Der Holzstaub kann zu Hautreizungen und Allergien führen. Zu beachten ist auch die Giftigkeit für Menschen und gewisse Tierarten (z.B. Pferde) was dazu führte, dass der Anbau von Robinie in Australien verboten ist.

Zusammenfassung

Druckfestigkeit: 58 – 72 N/mm²
Zugfestigkeit: 120 – 148 N/mm²
Biegefestigkeit: 118 – 145 N/mm²
Härte n. Brinell: 37 – 43 N/mm²
Schwindmaß: radial: 0,2%, tangential: 0,3%

Verwendung dieser Hinweise

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir das komplexe Thema Holz und Oberflächen mit unseren Hinweisen nur allgemein ansprechen können. Eine Haftung ist ausgeschlossen. Die Verwendung unserer Ratschläge liegt in Ihrer eigenen Verantwortung.

Für detailierte Informationen verweisen wir auf die Hinweise der jeweiligen Hersteller und Fachhandwerker